Sammlungsgeschichte(n) I

 

Prolegomena zu 500 Jahren Sammlungsgeschichte

 

Wie in Dresden, Kassel oder München – um nur einige zu nennen – sind auch die Sammlungen der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe fürstlichen Ursprungs. In ihrem Grundbestand reichen sie auf die im Laufe von mehr als 500 Jahren gewachsenen Sammlungen des Hauses der Zähringer zurück, die als Markgrafen, später Großherzöge, das badische Land regiert haben.[1]

Diesen Umstand einleitend zu bemerken, ist von Bedeutung, wenn man Wesen und Struktur eines solchen Bestandes verstehen will. Er muss grundsätzlich unterschieden werden von Sammlungen bürgerlichen Ursprungs, die überwiegend im 19. Jahrhundert durch das Movens eines sich entwickelnden kunstwissenschaftlichen Interesses zusammengetragen wurden. Ihren sehr spezifischen Charakter erhielten sie meist infolge eines durch das Repräsentationsbedürfnis aktivierten finanziellen Engagements eines bildungsbewussten Bürgertums in Kaufmannsstädten wie Bremen, Hamburg oder Frankfurt. Den Konzeptionen solcher Sammlungen liegen völlig andere Kriterien zu Grunde als etwa in Karlsruhe.

Diesen Kriterien auf breiter kulturhistorischer Basis nachzuspüren, hat sich die Forschung zur Sammlungsgeschichte zur Aufgabe gemacht, ein mittlerweile auch methodisch bedeutsamer Zweig der Kunstgeschichte.

Karlsruhe gehört zweifellos zu den herausragenden Beispielen, an denen die Genese eines öffentlichen Museums aus einer bedeutenden fürstlichen Sammlung anschaulich gemacht werden könnte.

 

 

Der vollständige Text findet sich in der Publikation:
Das Erbe der Markgrafen. Die Sammlung deutscher Malerei (1350-1550) in Karlsruhe, Stuttgart 2013, S. 652-662.

 

 


[1] Das mit den Staufern verwandte schwäbische Fürstengeschlecht der Zähringer nannte sich seit Ende des 11. Jahrhunderts nach seiner Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau. 1533/35 – im Zuge der Glaubenskriege – zerfiel die Markgrafschaft Baden in zwei Linien mit zwei unterschiedlichen Gebieten. Es entstanden die bernhardinische Linie: obere Markgrafschaft Baden-Baden, Residenz in Baden-Baden, und die ernestinische Linie: untere Markgrafschaft Baden-Durlach, Residenzen in Pforzheim, später Durlach, zuletzt Karlsruhe. Dementsprechend entwickelten sich bis zur Wiedervereinigung der Grafschaften zwei unterschiedliche Kunstbesitzungen. Markgraf Karl Friedrich beerbt 1771 die katholische Linie Baden–Baden  und gliedert sie in seine Markgrafschaft ein. In seiner Amtszeit entwickelt sich das ab 1771 Markgrafschaft Baden genannte Gebiet über ein Kurfürstentum (1803–1806) zum Großherzogtum (1806–1918). Die Zähringer (Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung), hg. vom Archiv der Stadt Freiburg i.Br. et al.; Bd. I: Eine Tradition und ihre Erforschung, hg. v. Karl Schmid, Sigmaringen 1986; Bd. II: Anstoß und Wirkung, hg. v. Hans Schadek u. Karl. Schmid, Sigmaringen 1991; Bd. III: Schweizer Vorträge und neue Forschungen, hg. v. Karl Schmid, Sigmaringen 1990.

 


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