Sammlungsgeschichte(n) II

 

Projekttitel:

Taxonomische Systeme

Erschließung und Zugänglichmachung sämtlicher Quellen und Forschungen zur Entstehung und Geschichte der Kasseler Sammlungen

 

1. Zusammenfassung 
  

Die Sammlungen der Staatlichen Museen Kassel sind in einer rund 600-jährigen Tradition des Sammelns und Bewahrens zusammengetragen worden. Damit sind sie zentrale Einrichtung für das historische Erbe der früheren Landgrafschaft Hessen-Kassel und des Kurfürstentums Hessen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen museumspolitischen Diskussionen und eines daraus erwachsenen Legitimationsbedürfnisses wurde in den letzten Jahren die Notwendigkeit einer umfassenden sammlungsgeschichtlichen Aufarbeitung der Staatlichen Museen Kassel deutlich.

Ein guter Anfang in diese Richtung ist vor ca. einem Jahr bereits geleistet worden durch den dank großzügiger Förderung durch die Fritz-Thyssen-Stiftung erarbeiteten, auf gründlichem Quellenstudium und fundierter Materialkenntnis basierenden, ergebnisreichen Bestandskatalog zur Kasseler Silberkammer.

Gleichwohl: eine vollständige Sammlungsgeschichte steht bis heute aus.

Diese Lücke zu schließen ist umso dringlicher, als Kassel einer derjenigen Standorte Deutschlands ist, an dem eine über Jahrhunderte währende Sammeltradition bis heute besteht und es damit zu den wenigen Beispielen gehört, an denen die Genese eines öffentlichen Museums aus einer bedeutenden fürstlichen Sammlung anschaulich gemacht werden kann.

Um aber überhaupt damit beginnen zu können, ist zuvor die entsprechende Grundlagenforschung von Nöten. Forschungsgegenstand dieses Projektes haben deshalb sämtliche sowohl Primär- als auch Sekundär-Quellen zum Sammelwesen der hessischen Landgrafen zu sein, wie auch jene, die Beginn und Fortführung der Musealisierung und wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Objekten markieren. Ziel ist es, dieses Material dem interessierten Laien sowie der weiterführenden Forschung auf dem Server der Staatlichen Museen zugänglich zu machen und zusätzlich in Form eines gedruckten Repertoriums zu präsentieren.

 

Das Material gliedert sich in drei große Komplexe:

A. handschriftliche Quellen

Sie sollen digital erfasst und – soweit für die Sammlungsgeschichte relevant – transkribiert werden. Dazu gehören Briefwechsel vornehmlich der Sammler, autobiographische Aufzeichnungen, Tagebücher, Beschreibungen, Listen, Protokolle und ungedruckte historische Inventare.

 

B. Gedruckte Quellen und Schrifttum (bis 1945)

Diese sind in Form eines Repertoriums zu erfassen. Dazu zählen u. a. historische Beschreibungen, bereits edierte Quellenbestände sowie die ältere Forschungsliteratur zu einzelnen Sammlungsbereichen.

 

C. Bibliographie zur Kasseler Sammlungsgeschichte  (1945 – 20012). 

 

Diese Materialgrundlage ist unabdingbare Voraussetzung für die Erforschung der Entstehung und Geschichte der Kasseler Sammlungen von den Anfängen der Kunst- und Wunderkammer im 16. Jahrhundert bis hin zur Neugliederung als Verbundmuseum nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist Voraussetzung dafür, eine zunächst chronologisch konzipierte Sammlungsgeschichte auszuweiten und sinnvoll zu verknüpfen mit einem dem heutigen Forschungsstand entsprechenden Fragenkatalog zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte. Dabei gilt es, Struktur und Funktion der einzelnen Sammlungen zu analysieren vor dem Hintergrund der sozialen Typologie der individuellen Sammlerpersönlichkeiten, ihrem intellektuellen Profil und den Bedingungen ihres Geschmacks.

Verstärkt wird man sich auch mit der Verlustgeschichte z. B. unter Napoleon oder während des Zweiten Weltkrieges auseinander zu setzen haben.

Über die umfassende Fallstudie hinaus ist der Vergleich ähnlicher Institutionen auf europäischer Ebene von Nöten sowie der Blick auf die Wirkungsgeschichte z. B. des Museums Fridericianum – heutiger Schauplatz der documenta –, welches als der erste auch der  Öffentlichkeit dienende Museumsbau auf dem europäischen Kontinent zu gelten hat.

 

2. Erläuterungen

2.1. Fragestellung

 

Vor dem Hintergrund aktueller kulturpolitischer Entwicklungen wie der zunehmenden Auslieferung der Kultur respektive Staatlicher Museen an marktwirtschaftliche Bedingungen trat in den letzten Jahren in zunehmendem Maße die Notwendigkeit einer grundlegenden sammlungsgeschichtlichen Aufarbeitung der umfangreichen Bestände der Staatlichen Museen Kassel zu Tage. Dies erscheint mittlerweile umso dringlicher, als Kassel einer derjenigen Standorte Deutschlands ist, an dem eine bereits im 15. Jahrhundert einsetzende Sammeltradition bis heute besteht und Kassel damit zu den wenigen Beispielen gehört, an denen die Genese eines öffentlichen Museums aus einer bedeutenden fürstlichen Sammlung demonstriert werden kann.

Die Aufarbeitung der am Kasseler Hof verwahrten Sammlungen von naturalia und arteficialia dürfte im Ergebnis eine Sammeltradition mit sehr unterschiedlichen Facetten nicht ohne Brüche rekonstruieren. Diese zu erforschen und anschaulich zu machen, ist im Rahmen eines Projektes über die Entstehung und Geschichte der Kasseler Sammlungen von den Anfängen der Kunst- und Wunderkammer im 16. Jahrhundert bis hin zur Neugliederung als Verbundmuseum nach dem Zweiten Weltkrieg geplant.

Unabdingbare Voraussetzung und Grundlage hierfür ist zuvor jedoch die Sichtung und Zugänglichmachung des für diesen Forschungsgegenstand relevanten Schrifttums. So wird man sich der verstreuten Sammlungsnachlässe zu bedienen haben, bis heute erhaltener Objekte, Schriften und sonstiger Zeugnisse, kurz: all dessen, was die Historiographie bislang weitgehend vernachlässigte. Erst anhand dieser Materialgrundlage wird man fragen können, ab wann in Kassel überhaupt die bewusste Herausnahme bestimmter Realien oder Objekte aus ihrem täglichen Verkehr und ihrer Nutzung zur - niemals zweckfreien -  Zurschaustellung , d. h. das eigentliche Sammeln begann.

Aufgabe wird es sein, gedruckte und ungedruckte Quellen sowie sämtliches daraus resultierendes, meist schwer zugängliches Schrifttum zum Thema zu sichten und digital zu erfassen und dem interessierten Laien wie auch der weiterführenden Forschung auf dem Server der Staatlichen Museen zugänglich zu machen und zusätzlich in Form eines gedruckten Repertoriums zur Verfügung zu stellen. 

 

 

Das Material gliedert sich in drei große Komplexe:

A. handschriftliche Quellen

Sie sollen erfasst und – soweit für die Sammlungsgeschichte relevant – transkribiert werden. Dazu gehören Briefwechsel vornehmlich der Sammler, autobiographische Notizen, Beschreibungen, Listen, Protokolle, ungedruckte historische Inventare.  

Stellvertretend für diesen Komplex seien an dieser Stelle genannt

- die sechzehn Silberinventare von 1515-1800 (Hessisches Staatsarchiv Marburg)

      - das Inventar des alchemistischen Laboratoriums Moritz des Gelehrten im Kasseler Lusthaus
        (Hessisches Staatsarchiv Marburg) 
      - das Verzeichnis der in der Inventionskammer im fürstlichen Marstall befindlichen Objekte
         (aufgenommen am 6. März 1638)

      - Salomon Causids erstes Verzeichnis der Hochfürstlichen Hessischen Gemäldesammlung von
        1783 (Archiv der Staatlichen Museen Kassel)

- die Transportliste für Gemälde von 1758 während der französischen Besatzung (ebd.)

      - handschriftliche Aufzeichnungen des Inspektors Peter Wolfart zum Catalogo Anatomi
        Casselani omniumque curiosum

      - handschriftliche Aufzeichnungen des Inspektors im Kunsthaus Johann Hermann
        Schmincke (1684-1743) etc.

 

B. Gedruckte Quellen und Schrifttum (bis 1945)

sind in Form eines Repertoriums zu erfassen. Dazu zählen u. a. historische Beschreibungen

wie z. B.

- diejenige der Kasseler Kunstkammer von Michael Bernhard Valentini, Musei Museorum. 
  Oder Der vollständigen Schau Bühne frembder Naturalien Zweyter Theil…/ 1714

- oder Friedrich Christoph Schminckes Versuch einer genauen und umständlichen
  Beschreibung der Hochfürstlich-Hessischen Residenz- und Hauptstadt Cassel, 1767

- David Friedrich von Apell, Cassel und die umliegende Gegend. Eine Skizze für Reisende,
  Cassel 1792

- Friedrich Appel, Handkatalog der Sammlungen der kurfürstlichen Museums Kassel 1859

- C. Alhard von Drach, Aeltere Silberarbeiten in den Königlichen Sammlungen zu Cassel,
  Marburg 1888

aber auch

- Die Kasseler Post sowie die Kurhessische Landeszeitung (insbesondere für die Phase 
  zwischen 1933-1945).

 

C. Bibliographie zu den Kasseler Sammlungen (1945 – 20010), wie z. B.  

-  Hans Vogel, Die Besucherbücher der Museen und der Fürstlichen Bibliothek in Kassel zur
   Goethezeit, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 67 (1956),

   S. 149-163

-  Das Museum Fridericianum. Eine Beschreibung der Architektur und ihrer Verwendung
   durch seinen Baumeister Simon Louis du Ry, übersetzt und mit einer Einführung von Hans-
   Kurt Boehlke, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 74
   (1963), S. 91-107

-  P.A. Kirchvogel, Die Jahre 1935 – 1945 im Hessischen Landesmuseum, in: Kunst in Hessen
    und am Mittelrhein 28 (1988), S. 129-131 etc.

 

 

Landgraf Wilhelm der IV. (1567-1592) war es, der die Aussonderung verschiedener Objekte im Sinne eines „Hausschatzes“ aus der allgemeinen Erbmasse der landgräflichen Familie zugunsten des regierenden Hauses veranlasste. Er handelte damit ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend. In Hessen-Kassel wird dieser bedeutende sammlungsgeschichtliche Akt im Silberinventar von 1577 vermerkt. Wilhelm IV. hegte ausgeprägte wissenschaftliche Interessen und entwickelte seinen Hof zu einem hoch angesehenen Zentrum wissenschaftlich-technischer Innovation. Neben der Erbauung der ersten feststehenden Sternwarte der Neuzeit ragt die Beschäftigung des bedeutenden Feinmechanikers Jost Bürgi hervor. In Wilhelms  Regierungszeit fallen auch die Anfänge einer Portraitgalerie.

Ebenfalls vorrangig wissenschaftliche Interessen, wenn auch etwas anders gelagert, verfolgte sein Sohn, Moritz der Gelehrte (1592-1627 gest. 1632), der schon von seinen Zeitgenossen als außergewöhnliche Persönlichkeit wahrgenommen wurde. Er baute seine Residenz zu einer Art modernen Musenhof aus. Neben seinen beachtenswerten Tätigkeiten als Schriftsteller, Komponist und Architekt war Moritz vor allem bedeutender Förderer der Wissenschaften und Künste. Über seinen diversen Unternehmungen im Bereich der Musik, des Theaters (Ottoneum), der Literatur, der Sprachwissenschaft und der Pädagogik rangierte die Alchemie. Ein epochaler Schritt war die Einrichtung der ersten Professur für Chemie an der Universität oder die Einrichtung einer anatomischen Lehrsammlung zu wissenschaftlichen Zwecken (1604), die sogar für eine bestimmte Öffentlichkeit zugänglich gewesen sein soll.

Trotz der Annahme des Heidelberger Katechismus und der damit verbundenen Ablehnung der Bilder im Kirchenraum, zeigte Moritz großes Interesse an Kunst,[1] selbstverständlich nur solange sie nicht kultischer Verehrung sondern allein der Belehrung und historischen Bildung diente.[2]  Allerdings scheint sein Engagement hinsichtlich einer Sammeltätigkeit von Gemälden bis heute eher undeutlich, doch lassen sich erste Belege für das Interesse an römischen Antiken nachweisen.

Die enzyklopädische Anlage der Kasseler Kunst- und Wunderkammer im 16. Jahrhundert, der Frühform des Privatmuseums schlechthin, nahm unter Landgraf Wilhelm IV. ihren Anfang und wurde durch Moritz den Gelehrten weitergeführt. Ursprünglich war sie in dem 1604 erbauten Marstall untergebracht.[3] Ein Inventar aus dem Jahre 1612 führt neben der eigentlichen Kunstkammer eine Schneiderei, eine Buchdruckerei, eine Münze, ein Laboratorium sowie eine Inventions- bzw. Kostümkammer auf, in der die Kostüme, Kulissen und Staffagen für die Hoffeste verwahrt wurden.[4] Dabei ist – wie so ziemlich alles andere auch – die eigentliche Rolle des Marstalls in der Kasseler Sammlungsgeschichte so gut wie unerforscht.[5]

Erstmals genannt wird der Bau in der Beschreibung von Lupold von Wedel von 1606.[6] In Johann Justus Winkelmanns Beschreibung des Fürstentums Hessen findet der architektonische Zustand des Marstalls immerhin Erwähnung wie ebenda auch eine Rolle innerhalb des höfischen Repräsentationsgefüges angenommen wird.[7] Die funktionale Innenausstattung der Kunstkammer im Marstall überliefert schließlich ein Inventar von 1626/27 über den Hausrat in Schloss und Nebengebäuden.

Im allgemeinen liegt derartigen Inventaren ein Raumschema zugrunde, das jedem Gegenstand im Raum einen bestimmten Platz zuwies und somit auch die räumliche Rekonstruktion ermöglicht.[8] Diese Rekonstruktion wäre für Kassel allerdings noch zu leisten, denn bislang sind die betreffenden Quellen weder erschlossen noch ausgewertet.

Auch die knapp einhundert Jahre, von 1696 bis 1770 währende Geschichte des Kunsthauses[9] –  bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts auch „Neues Haus“ genannt  – ist bis heute nicht geschrieben, ließe sich aber anhand überlieferter Quellen weitgehend rekonstruieren. Es ging aus dem nach den Plänen des hugenottischen Baumeisters Paul du Ry (1640-1714) umgebauten Ottoneum hervor.[10] Zu diesen Quellen zählen neben den erhalten gebliebenen Inventaren auch einzelne Personalakten im Archiv der Staatlichen Museen Kassel sowie die gedruckten Beschreibungen von Valentini, Uffenbach und Schmincke.

Die erste ausführliche Beschreibung des Kunsthauses mit der Einteilung und kurzen Charakterisierung seiner Kammern gibt der eben genannte Arzt und Naturforscher Michael Bernhard Valentini (1657-1729) im zweiten Band seines Musei Museorum von 1714.[11] Anhand dieser Beschreibung erschließt sich der Charakter des Kunsthauses als einer mit einer Kunst- und Naturalienkammer verbundenen Lehrinstitution. Bemühungen wissenschaftlicher Aufarbeitung der Sammlungen sind allenthalben spürbar. So bereitete der Inspektor des Kunsthauses, Professor Peter Wolfart (oder Wohlfahrt), eine Publikation vor, in der die Curiosis Hassiae in einem Katalog veröffentlicht werden sollten. Einzelne Kupferplatten zu diesem Werk waren nach Valentinis Angaben bereits gestochen, doch ist der Katalog niemals erschienen.[12] Auch von dem später am Kunsthaus tätigen Inspektor Johann Herman Schmincke (1684-1743) existieren diesbezügliche handschriftliche Aufzeichnungen, deren Auswertung bis heute aussteht. 

Unter Landgraf Carl (1677-1733) wurde in diesem fortan Kunsthaus genannten Bau 1709 die feierliche Einweihung des neu gegründeten Collegiums Carolinum begangen. Es diente im Rahmen einer zweijährigen Ausbildung als Vorbereitung für die Landesuniversitäten in Marburg und Rinteln, eine Bildungsanstalt für die Söhne höherer Stände also. 

Carls Interessen scheinen sich – neben nach wie vor wissenschaftlichen Aktivitäten – stark auf die Bau- und Gartenkunst konzentriert zu haben, mehr als auf die Malerei, denn die schon früh über die Grenzen hinweg zu Ruhm gelangte Gemäldegalerie erhielt erst durch seinen Sohn, Landgraf Wilhelm VIII. (1682-1760), ihr Gesicht. In die Reihe bedeutender deutscher Sammler aus der Zeit des Spätbarock und Rokoko wie etwa Herzog Anton Ulrich von Braunschweig oder Franz Lothar von Schönborn auf Schloss Pommersfelden, gehört ganz sicher auch Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen, der als der eigentliche Schöpfer der Kasseler Gemäldegalerie gelten darf.

Das über lange Perioden andauernde wissenschaftliche Interesse an der Kunst- und Wunderkammer beginnt damit allmählich in den Hintergrund zu treten und sich auf eine auf Gemäldebesitz ausgerichtete Kunstsammlung zu verlagern. 

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts erschien eine diesem Sammlungsgebiet gewidmete chronologisch ausgerichtete Galeriegeschichte, doch wird man heute auch nach Typus, Funktion und Struktur der Sammlung genauso wie nach Persönlichkeit, Werdegang und geschmacklicher Bildung der Sammlerpersönlichkeit zu fragen haben. Wie sahen Wilhelms Kontakte zum Kunsthandel aus und vor allem, vom wem ließ er sich beraten (u. a. von Häckel und Freese).[13] Will man Wilhelms Sammeltätigkeit im einzelnen verfolgen, so bieten sich dafür eine ganz Reihe von Quellen an, wie der handschriftliche Katalog von 1749, aber auch Korrespondenzen und Berichte, die sich in den Staatlichen Museen oder aber im Hessischen Staatsarchiv in Marburg erhalten haben. Sie vermitteln Erkenntnisse über Provenienzen und Entwicklung der Galerie, aber auch darüber, wer an dieser Entwicklung überhaupt beteiligt gewesen ist.


Das Interesse der hessischen Landgrafen am Ausbau und Entwicklung des oben bereits genannten Kunsthauses schwankte erheblich. Erst Friedrich II. (reg. 1760-1785) kümmerte sich wieder verstärkt darum und veranlasste kurz nach Regierungsantritt beachtliche Erneuerungen. Überdies lag Friedrichs Interesse an der deutlichen Erweiterung der Antikensammlung. Zwar erfuhr die Gemäldegalerie unter seiner Ägide keine größeren so doch einige sehr bedeutende Zugänge, die sich anhand des vom Marburger Professor Salomon Causid angelegten Verzeichnisses, im Übrigen der erste gedruckte Katalog, von 1783 bzw. 1799 nachzeichnen lassen.

Überhaupt ist die Entwicklung des Kunsthauses insbesondere in der Phase unter Friedrich II.  für die Kasseler Sammlungsgeschichte von nicht geringem Interesse, weil sich hier die sich wandelnden Vorstellungen der Präsentation dieser Jahrzehnte analysieren ließen. Auf welche Weise und aus welchem Antrieb heraus wurde eine ehemals nach Lehrgebieten ausgerichtete Ordnung zunehmend verdrängt von einer repräsentativen Zurschaustellung von Kunstwerken?

Abgelöst wurde das Kunsthaus erst im Jahre 1779 mit dem Neubau des Museum Fridercianum, das – nach dem Vorbild des ehemaligen Kings-Museum (heute British Museum) – als das erste öffentlich zugängliche Museum gilt. Initiiert und benannt nach dem Bauherrn werden die Sammlungen endgültig auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  

Hinsichtlich der Einrichtung des Hauses hatte sich der Landgraf offenbar selbst bestimmendes Wort vorbehalten, doch nahm auch der Architekt Simon Louis Du Ry bei der Aufstellung der Sammlungen großen Einfluss. Anhand eines vom ihm selbst verfassten Vortragsmanuskripts ließe sich die ursprüngliche Ordnung der Sammlungen nahezu mühelos rekonstruieren. Untergebracht waren Antikensammlungen und Bibliothek, aber auch alle übrigen Sammlungsschätze, offenbar deutlich unterschieden in einen naturwissenschaftlich und einen geisteswissenschaftlich orientierten Zug. Von wem aber holte sich  Friedrich II. die Anregungen für sein Museum? Wer waren seine Vorbilder und Berater? Welche Wirkungen gingen von dem neuen Museumsbau aus?

Dass Sammlungsgeschichte keineswegs nur Erfolgsgeschichte ist, zeigt das sich anschließende Kapitel der Verluste unter Napoleon, das in die Regierungszeit Wilhelms IX. fällt (reg. 1785-1821, ab 1803 als Kurfürst Wilhelm I.) und bis heute einer umfassenden Aufarbeitung harrt. 48 Hauptwerke gelangten im Jahre 1806 in den Besitz der Kaiserin Josephine, deren Erben sie 1814 an den Zaren verkauften. Ein Jahr später beschlagnahmte Vivant Denon, Direktor des Musée Napoléon, mindestens 299 Bilder von allerhöchstem Rang. Mit dem Rest verfuhr man leichtfertig, vieles wurde gestohlen oder veruntreut. Immerhin konnte die von keinem geringeren als Jakob Grimm geleitete Delegation 418 Gemälde aus Paris zurückbeschaffen, die am 1. November 1815 wieder nach Kassel zurückkehrten, gleichwohl war ein Verlust von mindestens 382 Bildern zu beklagen. Damit sind die Verluste in den anderen Sammlungsbereichen noch gar nicht erfasst.

Das zweite große Kapitel dieser Verlustgeschichte schrieb der Zweite Weltkrieg. Vieles konnte nach Auslagerung (u. a. nach Wien) gerettet werden, doch die Museumsgebäude wurden 1943 durch Brand fast völlig vernichtet, wie z. B. das neu eingerichtete Landgrafenmuseum. Die  Gemäldegalerie an der Schönen Aussicht wurde unbenutzbar. Auch diese Phase der Kasseler Sammlungsgeschichte ist bis heute weitgehend unerforscht. Welche Rolle spielten die Sammlungen zwischen 1933 und 1945? Die Erkenntnis, wie umfassend die jeweiligen Kustoden Einfluss auf die ihnen anvertrauten Sammlungsbestände nahmen, ist gewiss nicht neu, wer aber waren sie? Vor dem Hintergrund aktuellster politischer Fragen zur Restitution wird die in Kassel seit Jahren bereits intensiv betriebene Provenienzforschung weiterzuführen sein, um entsprechend den Forderungen der Holocaust Konferenz in Washington dem Verbleib etwaigen jüdischen Kunstbesitzes auf den Grund zu gehen.[14]

Mit der preußischen Annexion von Hessen-Kassel und dem Ende des Kurfürstentums wurden alle ehemals privaten fürstlichen Sammlungen 1866 in Staatliche Verwaltung überführt. Zehn Jahre später teilte man die nun öffentlichen Sammlungsbestände gattungssystematisch auf. So kamen die Gemälde in die Galerie an der Schönen Aussicht,[15] die Naturalien in das zum Naturkundemuseum umgewandelte Ottoneum, Antikensammlung und wissenschaftliche Instrumente verblieben im Fridericianum. 1924 wurden alle in Kassel beheimateten staatlichen Sammlungen zu den „Staatlichen Kunstsammlungen Kassel“ zusammengefasst und einer gemeinsamen Verwaltung und wissenschaftlichen Leitung unterstellt.[16] 

 

Eine ausschließlich chronologische Darstellung einer Sammlungsgeschichte –  allein diese wäre für Kassel höchst verdienstvoll – muss heute –  je nach Aussagekraft der Quellen – sinnvoll verknüpft werden mit einem dem heutigen Forschungsstand entsprechenden Fragenkatalog zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte. Dabei gilt es, Struktur und Funktion der einzelnen Sammlungen zu analysieren vor dem Hintergrund der sozialen Typologie der individuellen Sammlerpersönlichkeiten, ihrem intellektuellen Profil und den Bedingungen ihres Geschmacks. Ab wann setzt man sich in Kassel mit den Objekten überhaupt und wie auseinander? Frühe, i. e. zeitgenössische wissenschaftliche Bemühungen um die Bestände der Kasseler Kunstkammer lassen sich bislang noch nicht nachweisen, sind aber, wie in anderen frühen Sammlungen wie Braunschweig auch, sehr wahrscheinlich. Überhaupt sind die Kustoden von Kunstkammer, Kunsthaus und Fridericianum ein lohnendes und dabei ebenfalls noch weitgehend unbearbeitetes Forschungsfeld. Ab wann werden die Sammlungen systematisiert und auf welche Weise? Auch den frühesten Ordnungssystemen nachzugehen, ist in so fern von Belang, als sie die  spätestens seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu Grunde gelegten Kriterien für die Anfänge heutiger Museumskonzeptionen markieren. Dabei scheint in Kassel die Ausbildungsphase von Spezialsammlungen besonders früh eingesetzt zu haben. Welche Funktion sollten die jeweiligen Sammlungen überhaupt erfüllen und mit welchen Mitteln wurde dieses Ziel erreicht (Ort, Architektur)? Welche Rolle spielte die Öffentlichkeit, d. h. wer erhielt wann Zutritt?

Alle diese Fragen werden erst zu beantworten sein, wenn die Quellengrundlagen dafür geschaffen sind.

 

2.2. Stand der Forschung

Kaum ein Spezialgebiet hat sich innerhalb weniger Jahre so nachhaltig etablieren können wie die Forschungen zur Sammlungsgeschichte. Stetig anwachsend, insbesondere in den letzten fast zwanzig Jahren, ist dieses Thema erneut in das Blickfeld des allgemeinen Forschungsinteresses gerückt. Geradezu explosionsartig zog es eine Flut von sowohl institutionsübergreifender Untersuchungen als auch zahlreicher Einzel- bzw. Fallstudien nach sich.

Weil seine Arbeit bis heute als Pionierleistung und Standardwerk zur Geschichte des Sammelwesens zu gelten hat, sei zu Beginn der Erläuterungen des Forschungsstandes der grundlegende Beitrag zur Kunst- und Wunderkammer der Spätrenaissance aus der Feder Julius von Schlosser genannt.[17] 

Stellvertretend für viele Publikationen im neuerlichen „Forschungsboom“ stehen die Arbeiten Oliver Impeys und Arthur McGregors, die dem Phänomen der Kunstkammer durch ihr 1985 organisiertes Symposion neue Impulse gaben und es in die kunstgeschichtliche Diskussion katapultierten.[18] Publikationen zur Systematik und Funktion der Kunst- und Wunderkammern im höfischen wie bürgerlichen Kontext waren die Folge.[19] Seit 1989 erscheint in Oxford das Journal of the History of Collections, das wohl heute als das führende institutionelle Forum dieses Forschungsschwerpunktes gelten kann.[20]

Zu den wichtigsten neueren Arbeiten gehört ganz sicherlich diejenige von Horst Bredekamp, dem es vor dem Hintergrund eines kulturhistorischen Rückblicks auf Entstehung und Formen der Kunstkammer gelingt, den verknüpfenden konzeptionellen Gedanken dieser Frühform des Museums herauszuarbeiten.[21] Als die ideale Ordnung einer enzyklopädisch angelegten Kunstkammer stellt er die Viererkette von Naturform, antiker Skulptur, Kunstwerk und Mechanik dar, eines Typs des Sammelwesens, für welches das erste museologische Traktat Samuel von Quicchebergs (1527-1571/2) richtungsweisend gewesen ist.

Als Standardwerk zur Soziologie der Sammler gilt noch heute Krysztof Pomians Studie aus dem Jahre 1987.[22] James Sheehan schließlich zeigt das Museum als einen Ort politischer und kultureller Auseinandersetzung und versucht diesen nicht nur ideengeschichtlich sondern auch institutionen- und architekturgeschichtlich zu analysieren.[23]

Neueren Datums und beachtenswert ist die Studie von Klaus Minges über das Sammlungswesen der frühen Neuzeit, in dem er die Kriterien der Ordnung und Spezialisierung

diskutiert und die grundlegenden Strukturen und geistesgeschichtlichen Hintergründe europäischer Sammlungen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert zu klären sucht.[24]

 

Aber auch auf einige Fallstudien sei an dieser Stelle hingewiesen, insbesondere über solche  Institutionen, die wirkungsgeschichtlich bedeutsam waren, wie das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg[25] oder dem jüngsten Beispiel des Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museums, in dem die Autoren den Weg einer fürstlichen Sammlung zum Museum der Aufklärung nachzeichnen.[26] Richtungsweisend ist ebenso die Arbeit über die Habsburger Gemäldegalerie in Wien um 1780, in der die Autorin Deborah Meijers den Zwist über die Systematisierungsprinzipien zwischen dem Galeriedirektor Joseph Rosa und Christian Mechel, der dort erstmals eine geographisch-chronologische Ordnung einzuführen versuchte, ideengeschichtlich zu deuten weiß.[27]

Eine sehr nützliche Hilfe im Hinblick auf die Erforschung einer Verlustgeschichte in den Kasseler Sammlungen ist sicherlich der neuerdings von Bénédicte Savoy zusammengestellte zweibändige Katalog des von Napoleon nach Paris abtransportierten und ausgestellten Kunstgutes.[28]

Zu guter Letzt sei auf die lebhafte lokale, i. e. hessische Geschichtsschreibung hingewiesen, die zahlreiche zum Teil sehr ergiebige Abhandlungen zum politischen Werdegang einzelner Persönlichkeiten des landgräflichen Hauses publiziert hat, wie diejenigen über Wilhelm VIII., Landgrafen Karl oder Friedrich den II., um nur einige zu nennen.[29] Hier finden sich entsprechend der jeweiligen Fragestellung auch Quellenuntersuchungen, von Fall zu Fall auch Quellenexzerpte im Anhang. Allerdings existieren bis heute keine spezifischen Quellensammlungen, geschweige denn -editionen zur Kasseler Sammlungsgeschichte. Vor nur wenigen Jahren nahm eine Ausstellung in Lemgo und Kassel Moritz den Gelehrten als

Renaissancefürsten in Europa ins Visier, wobei erstmals auch seine spezifischen Sammelinteressen Berücksichtigung fanden. [30]

 

2.3. Vorarbeiten seitens der Antrag stellenden Institution

Basierend auf einem Manuskript des ehemaligen Galeriedirektors Georg Gronau, publizierte Erich Herzog vor mittlerweile fünfunddreißig Jahren eine Geschichte der Kasseler Gemäldesammlung, die vorrangig chronologisch konzipiert war.[31] Über die Kasseler Kunst- und Wunderkammer existieren eine Reihe kleinerer Arbeiten wie diejenige von Eva Link[32] oder  Franz-Adrian Dreier, in denen er – in Ermangelung vollständiger Kunstkammerinventare – die Verhältnisse der Kunstkammer in Schloss Ambras auf Kassel überträgt, ein Vorgehen, bei dem sicherlich Vorsicht geboten ist.[33]

Neueren Datums und großzügig gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung ist die gründliche wie ergiebige Studie über die Kasseler Silberkammer, vorgelegt von Rudolf-Alexander Schütte, der mit seiner Einführung – basierend auf Quellenstudium und breiter Materialkenntnis – einen konzisen Einblick in Geschichte, Struktur und Funktion dieses Sammlungsbereiches bietet.[34]

Den jüngsten Beitrag zum Thema Sammlungsgeschichte lieferte Bernhard Schnackenburg, ehemaliger Leiter der Gemäldegalerie, mit seinem Aufsatz „Pan und Syrinx von 1747 bis 1814. Stationen aus der Geschichte eines Kasseler Galeriebildes“, in dem er die bewegte Geschichte vom Ankauf des Bildes durch Landgraf Wilhelm VIII., der ursprünglichen Hängungssituation, der Kriegsverlagerung und den vergeblichen Rückgewinnungsversuchen bis hin zum glücklichen Wiederankauf vor wenigen Jahren dokumentiert.[35]

Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn seit November 2000 finanziertes Projekt erschließt erstmalig die nur wenig bekannten Architekturzeichnungen in der Graphischen Sammlung und wird damit zum unerlässlichen Hilfsmittel für das geplante Unternehmen. Der mehr als 4000 Zeichnungen umfassende Bestand, der auch Nachlässe von Baumeistern im Dienste der hessischen Fürsten umfasst, wird aufschlussreiche Informationen zu Struktur und Funktion einzelner für das Sammelwesen wichtigen Bauvorhaben liefern. In Kürze wird diese Datenbank ans Netz gehen und darüber hinaus mit der an der Biblioteca Hertziana in Rom angesiedelten Lineamento-Datenbank zusammengeschlossen werden (vgl. auch Punkt 5. Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern).

Die seit der Holocaust Konferenz in Washington 1998 geforderte Provenienzforschung insbesondere zwischen den Jahren 1933 und 1945 wird in den Staatlichen Museen Kassel seit Jahren mit allen gebotenen Mitteln betrieben. Sämtliche bis zu diesem Zeitpunkt verfügbare Daten wurden der Koordinierungsstelle für Kulturverluste in Magdeburg (Lost Art Database) übermittelt (vgl. auch Punkt 5 „Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern“). Überdies ist eine Museumsbeauftragte mit der ständigen Aktualisierung der Daten und ihrer Weitervermittlung betraut. 

Ein seit ca. einem Jahr initiiertes Datenbankprojekt erfasst die Bilddaten sämtlicher Kasseler Bestände, die zum einen über die Homepage des Museums der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, zum anderen für den museumsinternen Gebrauch mit dem Inventarisierungsprogramm vernetzt werden wird und damit gleichzeitig auch für das beantragte Projekt zur Sammlungsgeschichte nutzbar gemacht werden kann.

 

 

2.4. Vorgehen und Methoden

1. Sichtung und digitale Archivierung der für den Forschungsgegenstand relevanten Primär-
    und Sekundärquellen sowie sämtlichen Schrifttums zur Sammlungsgeschichte. 

2. Transkription der für den Forschungsgegenstand relevanten Primärquellen. 

 

Neben verschiedenen europäischen Verwahrorten wie

-  dem Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie, Den Haag (Kunsthandel,
    Korrespondenzen) und

-  dem Nationalarchiv, Paris (Akten über die Beschlagnahmung durch General Lagrange)

findet sich der größte Bestand der betreffenden Quellen in öffentlichen wie privaten Institutionen des Landes Hessen. Hier ist demzufolge auch der Hauptteil der Arbeit zu leisten.

Das sind

- Bibliothek und Archive der Staatlichen Museen Kassel (Schloss Wilhelmshöhe,
    Hessisches Landesmuseum)

-  Hessischen Staatsarchiv Marburg  (HStAM).

-  Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (HstAD)

-  Handschriftenabteilung der Universitäts- und Landesbibliothek der Stadt Kassel
    (Murrhardsche Bibliothek)

-  Archiv der Hessischen Hausstiftung, Fasanerie Fulda, Eichenzell (AHH)

Für das auf der angestrebten Materialgrundlage aufbauende Projekt zur Erforschung der Entstehung und Geschichte der Kasseler Sammlungen existiert ein Konzeptionsentwurf. Ziel ist es, mit der Erfassung des Quellenbestandes Überarbeitung und Feinabstimmung dieses Entwurfes zu ermöglichen. 

 

 

 


[1] Ob sich z. B. die Tucher-Bildnisse (Elsbeth und Nikolaus, letzteres verschollen) tatsächlich schon zu Moritz Zeiten in Kassel befunden haben und man daraus auf Beziehungen zur Tucherfamilie schließen darf, ist heute nicht mehr mit Sicherheit nachzuweisen. Vgl. hierzu Anja Schneckenburger-Broschek, Katalog der Altdeutschen Malerei. Die Tafelbilder und Altäre des 14. bis 16. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie Alte Meister und im Hessischen Landesmuseum Kassel,  Eurasburg  1997, S. 110ff. 

[2] Hierzu  Birgit Kümmel, Der Ikonoklast als Kunstliebhaber. Studien zu Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1592-1627), Marburg 1996.

[3] Eine parallele Nutzung des Marstallgebäudes als Kunstkammer ist ebenso für München, Stuttgart, Wien oder Dresden überliefert. Auch gibt es Hinweise darauf, dass es im Landgrafenschloss selbst eine weitere Kunstkammer gegeben haben muss, über deren Lage und Inventar wir bis heute allerdings nichts genaues wissen. Tagebucheintragungen belegen, dass Moritz sich überaus beeindruckt zeigte von der Württembergischen Kunstkammer. Er verzeichnete all jene Stücke, die ihn besonders interessierten.

[4] Ein großer Teil des erhaltenen Sammlungsnachlasses Moritz des Gelehrten befindet sich heute in den Beständen des Hessischen Landesmuseums. Was den Inhalt der Inventionskammer betrifft, könnte ein im Marburger Staatsarchiv befindliches handschriftliches Dokument Auskunft geben.

[5] Auf diesen Umstand weist auch Rudolf-Alexander  Schütte in seiner umfassenden Bearbeitung der Kasseler Silberkammer. Vgl. ders., Die Silberkammer der Landgrafen von Hessen-Kassel, Bestandskatalog der Goldschmiedarbeiten des 15. bis 18. Jahrhunderts, Kassel 2003, S. 22.

[6] „Nach diesem bin ich in des Landgrafen Stall gegangen, welcher viereckig wie ein Schlüchen zubebauwet und habe in 3 Stellen 110 Reume gefunden, welche auch mehrenteils voll Pferde gestanden, das 4. Gebeuw ist kein Stall, besondern oben eine Kunstcammer und unten andere Sachen.“

[7] Johann Justus Winckelmann, Gründliche und wahrhafte Beschreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld, Bremen 1697.

[8] Thomas Ketelsen, Künstlerviten, Inventare, Kataloge. Drei Studien zur Geschichte der kunsthistorischen Praxis. Ammersbek 1990, S. 108-110.

[9] Das Kunsthaus ging aus den Umbauten des alten Ottoneums hervor, welches 1604 unter Landgraf Moritz als erstes festes Schauspielhaus Deutschlands errichtet worden war. Damit erhielt die Repräsentationsstrategie am Kasseler Hofe einen neuen, zusätzlichen Schwerpunkt. 

[10] Winkelmann 1697 (op. cit.), S. 281.

[11] D. Michael Bernhard Valentini, Musei Museorum oder Der vollständigen Schau Bühne frembder Naturalien Zweyter Teil…Frankfurt am Mayn 1714.

[12] Ganz Ähnliches widerfuhr den wissenschaftlichen Bemühungen um die Sammlungen Herzog Anton Ulrichs von Braunschweig-Lüneburg auf Schloss Salzdahlum, vgl. 250  Jahre Museum. Von den fürstlichen Sammlungen zum Museum der Aufklärung. Katalog zur Ausstellung in der Burg Dankwarderode, München 2004.

[13] Hier bietet sich die Auswertung der Korrespondenzen Wilhelms VIII. mit Kunsthändlern und ehemaligen Beratern an, wie u. a. mit Hendrick van Heteren, oder von Häckel und Freese.

[14] Gemeint ist die  Holocaust Konferenz in Washington im Dezember 1998 bzw. die Berliner Erklärung von 1999, in dem die Bundesregierung, die Länder und die Kommunalen Spitzenverbände das in Washington verabschiedete 11-Punkte-Programm bekräftigen. Sämtliche bis heute bekannten Daten zu Such- bzw. Fundmeldungen die Kasseler Museen betreffend sind der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg übermittelt worden und auf der Lost Art Datenbank abzurufen.  

[15] Sie war nach dem Vorbild der Alten Pinakothek in München erbaut. Galeriedirektor und erster wissenschaftlicher Leiter wurde Oskar Eisenmann.

[16] 1992 wurde das so entstandene Verbundmuseum umbenannt in „Staatliche Museen Kassel“, vgl. Statut der Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2004, S. 6.

[17] Julius von Schlosser, Die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance. Ein Beitrag zur Geschichte des Sammelwesens (1908), 2. vermehrte Auflage, Braunschweig 1978.

[18] Oliver Impey/Arthur McGregor The Origins of Museums. The Cabinet of Curiosities in Sixteenth- and seventeenth-Century Europe, Oxford 1985.

[19] Einen wichtigen wie nützlichen Überblick über die neuere Literatur zur Sammlungsgeschichte bis 1994 lieferte Ingo Herklotz in der Kunstchronik 47/3 (1994), S. 117-135.

[20] Journal of the History of Collections, Ashmolean Museum, Oxford 1.1989ff.

[21] Horst Bredekamp, Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte, überarbeitete Neuausgabe Berlin 2000 (1993).

[22] Krysztof Pomian, Collectionneurs, amateurs et curieux, Paris 1987; ders., Der Ursprung des Museums. Vom
Sammeln, Berlin 2001. 

[23] James J. Sheehan, Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Kunstkammer zur modernen Sammlung, München 2000.

[24] Klaus Minges, Das Sammlungswesen der frühen Neuzeit, Kriterien der Ordnung und Spezialisierung, Rezension von Ingo Herklotz in der Kunstchronik 2/2001, S. 68-73.

[25] Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852-1977. Beiträge zu seiner Geschichte. Hg. von Bernward Deneke und Rainer Kahsnitz, München 1978.

[26] 250 Jahre Museum. Von den fürstlichen Sammlungen zum Museum der Aufklärung. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Katalog zur Ausstellung in der Burg Dankwarderode, Braunschweig 2004; Rezension zur Ausstellung von Henning Ritter, Von den bekannten Würmern gefressen…in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 170, S. 36.

[27] Debora J. Meijers, Kunst als Natur. Die Habsburger Gemäldegalerie in Wien um 1780 (Schriften des Kunsthistorischen Museums 2), Wien 1995.

[28] Bénédicte Savoy, Patrimoine Annexé. Les biens Culturels saisis par la France en Allemagne autour de 1800. 2 Bde., Paris 2003.

[29] Wolf v. Both und Hans Vogel, Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel. Ein Fürst der Rokokozeit, München 1964. Hans Philippi, Landgraf Karl von Hessen-Kassel Ein deutscher Fürst der Barockzeit, Marburg 1976.

[30] Moritz der Gelehrte, eine Renaissancefürst in Europa, Katalog zur Ausstellung im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake und in der Orangerie der Staatlichen Museen Kassel, hg. von Heiner Borggrefe, Lemgo 1997.

[31] Erich Herzog, Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel, Hanau 1969.

[32] Eva Link, Die Landgräfliche Kunstkammer Kassel, Melsungen 1975.

[33] Franz-Adrian Dreier, Zur Geschichte der Kasseler Kunstkammer, Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 72 (1961), S. 123-142; ders., The Kunstkammer of the Hessian Landgraves in Kassel, in: Oliver Impey and Arthur MacGregor, The Origins of Museums, The Cabinets of Curiosities in Sixteenth- und Seventeenth-Century Europe, Oxford 1985, S. 102-109; vgl. auch Birgit Kümmel, Die Geschichte und Funktion der landgräflichen Kunstkammer in Kassel, in: Der Ikonoklast als Kunstliebhaber. Studien zu Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1592-1627), Marburg 1995, S. 156-169, sowie dies., Geschichte und Struktur der landgräflichen Sammlungen in Kassel im 16. und 17. Jahrhundert, in: Die Künste und das Schloß in der frühen Neuzeit (Rudolstädter Forschungen zur Residenzkultur 1), hg. von Lutz Unbehaun et al., München/Berlin 1998, S. 191-207.

[34] Rudolf-Alexander Schütte, Die Silberkammer der Landgrafen von Hessen-Kassel, Bestandskatalog der Goldschmiedearbeiten des 15. und 18. Jahrhunderts in den Staatlichen Museen Kassel, Kassel 2003.

[35] Bernhard Schnackenburg in: Pan und Syrinx. Eine Erotische Jagd. Peter Paul Rubens, Jan Brueghel und ihre Zeitgenossen, Katalog zur Ausstellung in den Staatlichen Museen Kassel und im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt, Kassel 2004, S. 17-39.

 

 

 


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